Rechnung

Jetzt zu der Frage: "Rechnet sich das?"

Wie schon eingangs gesagt, diese Frage kommt beim Autokauf komischerweise nicht, aber dennoch kann man hier mit "Ja!" antworten, beim Auto müsste sie eigentlich "Nein!" lauten.

"hier" bedeutet auch die gesamte Maßnahme: die Kombination aus der Erneuerung der Heizungsanlage und der Installation der Kollektoranlage zur Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung. "hier" bezieht z.B. auch das Duschverhalten der Bewohner mit ein. Wir duschen in der Regel nicht am Morgen, so dass der Brenner im März auch schon sieben Tage ausgeschaltet bleiben konnte, da der Puffer tagsüber durch den Kollektor geladen werden konnte und die FB-Heizung über Nacht bzw. während der sonnenfreien Zeit aus dem Puffer bedient wurde. Auch am Morgen war noch immer genügend warmes Wasser vorhanden. Allerdings wären vermutlich nicht alle Familienmitglieder in den Genuss einer Dusche oder eines Vollbades gekommen.

Im Prinzip sollte man schon ein wenig Idealist sein, wenn man sich eine kleine bis mittlere Kollektoranlage zur Heizungsunterstützung auf's Dach setzt. Im Januar muss man sich dann auch schon an 20 kWh Tagesertrag erfreuen können. Das sind dann knapp 2 m3 eingespartes Gas; immerhin 1 Euro (aber 2,5 kg CO2 eingespart!). Im Januar liegt der Anteil ob der oft fehlenden Sonne bei knapp 2%. Hier braucht man eine effiziente Zusatzheizung.

Grundsätzlich kann man sagen, dass, wenn man Geld sparen will, es durchaus einfachere Wege gibt, dies zu tun. Welche?

Ganz einfach: Im Jahr vor der Maßnahme (2006) haben wir Dank der an sich niedrigen Gaspreise im Schnitt jeden Tag nur 4,10 Euro ausgegeben, um ein warmes Haus und warmes Wasser zum Duschen zu haben. Ein Raucher, der jeden Tag ein Päckchen Zigaretten verraucht, hat ein wesentlich höheres Einsparpotenzial, wenn er aufhörte zu rauchen, da er zudem ohne Investitionskosten auskäme, es sei denn, dass er Unterstützung in Form von Büchern und Kursen benötigte. Es kann aber auch das Teilchen und die Kola in der Kantine sein, die man sich aus Gewohnheit zum zweiten Frühstück jeden Tag holt oder, oder, oder...

Wir versuchen dagegen von 4,10 Euro auf 2,05 Euro pro Tag zu kommen bei einer Investitionssumme die in unserem Fall bei 16.000 Euro liegt. Wer jetzt schnell gerechnet hat, wird feststellen, dass es 21 Jahre dauern würde bis man die 16.000 Euro eingeholt hat. Dann käme jetzt wieder die Frage: "Und wo rechnet sich das jetzt?".

Zwei Anmerkungen muss man zu der Rechnung machen:

  • Meine ersten Hochrechnungen haben ergeben, dass es vermutlich 55% Einsparung ergeben wird; dann wären es nur 18 Jahre.
  • Zudem muss man bei sinkendem Angebot (Fördermengen) und steigender Nachfrage (Energiehunger Chinas und Indiens) von steigenden Gaspreisen ausgehen. Seit 2000 haben sich die Gaspreise bei meinem Anbieter im Schnitt um 9% erhöht. Bezieht man dies in die Rechnung mit ein, so wären es nur noch 11 Jahre. Der folgenden Tabelle kann sich jeder seine eigene Gaspreisentwicklung raussuchen:
     

    Jährliche Gaspreiserhöhung

      0% 1% 2% 3% 4% 5% 6% 7% 8% 9% 10%
    Amortisation in Jahren (ca.) 18 17 16 15 14 14 13 13 12 12 11

Die Rechnung berücksichtigt nicht die etwa 80 Watt für den Betrieb der Anlage und auch keine anfallenden Reparatur- oder Wartungskosten. Beides wäre für die konventionelle Heizung ebenfalls angefallen.

Da man das Geld in der Regel nicht einfach so rumliegen hat, wird man die Anlage in der Regel über einen Kredit finanzieren (in unserem Fall KfW-Kredit zu 3,20% Zinsen, 10 Jahre Laufzeit, 2 Jahre tilgungsfrei) oder wenn man das Geld "übrig" hat, könnte es ebenso Zinsen bringen. Bezieht man beides mit in die Rechnung ein, so verlängert sich die Amortisationszeit um zwei bis drei Jahre.

Für wen rechnet es sich denn nun?

Zumindest für unsere Umwelt.

Und ich denke, dass wir in  15 Jahren froh sein werden, wenn unsere Gasrechnung nur 1500 Euro statt 3300 Euro ausweist.

Tja, ...
das war der Stand im Jahr 2007. Damals sah unsere Amortisationsrechnung etwas so aus (als Diagramm):

Der kleine senkrechte Strich stellt den aktuellen Zeitpunkt dar. Bis dahin liegen gemessene Werte zugrunde, danach findet eine Hochrechnung statt.

Die blaue Linie entspricht den Zins- und Tilgungszahlungen. Beim ersten Knick setzen die Tilgungszahlungen ein (bis dahin war/ist das Darlehen tilgungsfrei). Beim zweiten Knick ist das Darlehen abbezahlt.

Die gelbe Linie entspricht den durch die Maßnahme(n) eingesparten Gaskosten (verglichen mit dem mittleren Gasverbrauch der 16 davor liegenden Jahre). Eingerechnet ist eine jährliche 5%ige Gaspreiserhöhung (jeweils zum 1.1.). Das "Schlängeln" ist durch die jahreszeitlich schwankenden Erträge der Kollektoranlage bedingt.

Man sieht eine Überdeckung zu Beginn und ab 2010 eine Unterdeckung bis Ende 2017. Unter'm Strich sieht es dann so aus:

Über einen Zeitraum von 11,5 Jahren lagen wir mal mit etwa 1250 Euro im Plus (tilgungsfreie Zeit) und dann bei Darlehensende mit 2250 Euro im Minus. Von da ab geht's nur noch bergauf.

Das passte ungefähr bis Ende September 2008. Dann erhöhte unser Gasversorger (und nicht nur der) die Preise um 23,5%.

Wenn man jetzt die Rechnung erneut anstellt, sieht das Ganze noch viel freundlicher aus:

Und unter'm Strich:

So gesehen rechnet sich die Maßnahme schon jetzt (fast)!