Ausgangslage

Im Sommer 1990 haben wir unser Haus in Würselen in der Nähe von Aachen bezogen. Unsere Tochter war damals gerade auf die Welt gekommen, und wir waren da zu dritt.

Bei dem Haus handelt es sich um eine Doppelhaushälfte mit einem Vormauerwerk aus Feldbrandsteinen mit 124 m2 Wohnfläche; Wärmedämmung nach damaligem Standard bei einem berechneten Normwärmebedarf von 12,5 kW. Der Keller ist nicht beheizt, bis auf einen kleinen Heizkörper im offenen Treppenhaus. Das Dachgeschoss war noch nicht ausgebaut, allerdings hatte ich die Dämmung des Daches sehr bald vorgenommen, nachdem im Oktober 1990 die ersten kalten Nächte gekommen waren.

Statt der geplanten Heizkörper im Erd- und Obergeschoss hatten wir eine Fußbodenheizung einbauen lassen (und das war gut so).

Drei Jahre später kam unser zweites Kind zur Welt. Und als sich dann 1995 das dritte Kind anmeldete, war es an der Zeit, das Dachgeschoss auszubauen. Es kamen noch mal 26 m2 Wohnfläche dazu, die mit zwei Röhrenradiatoren, welche mit in den FB-Heizungskreislauf eingebunden und daher etwas größer ausgelegt wurden, beheizt wurden. Obwohl sie meist nur handwarm oder kaum fühlbar warm werden, reicht das vollkommen für das Dachgeschoss aus; die Wärmebedarfsberechnung wies knapp 2 kW aus. Beim Dachausbau hatte ich für den Fall, dass doch mal eines Tages Kollektoren auf das Dach kommen sollten, vorsorglich isolierte Vor- und Rücklaufleitungen und ein Kabel durch den Drempel gelegt und durch zwei Geschossdecken durch einen bestehenden Schacht in den Heizungskeller geführt.

Bei der Heizung handelte es sich um eine Wolf-Gasheizung und das Warmwasser wurde über einen 180-l-Vaillant-Boiler bereitet.

Mein Solarinstallateur hatte sich eins gegriemelt als er diese, damals durchaus üblichen,  Gerätschaften von 1990 sah und seine bis dahin vorsichtig abgegebenen Einsparprognosen nach oben korrigiert (er lag aber immer noch zu niedrig). Aber so manch einer wird beim Betrachten dieser Bilder sagen: "Mensch, so ein Ding hab' ich doch auch im Keller!" Jeder, der das sagt, sollte hier gut lesen und dann seine Überlegungen anstellen... 

Dank der niedrigen Gaspreise lebten wir dann erst mal glücklich vor uns hin, bis mich im Frühjahr 2006 die Gasabrechnung für 2005 aufweckte. Ich hatte zwar schon immer die monatlichen Verbräuche an Gas, Wasser und Strom notiert und daraus hübsche Diagramme gemacht, aber an einem verregneten Sonntag kam mir beim Betrachten der Abrechnung von 2005 die Idee, auch mal die Gasrechnungen der letzten 15 Jahre hinzu zu nehmen und die angefallenen Kosten (Grundgebühren, Kohlepfennig, Arbeitspreise, Mehrwertsteuer usw.) in einem Diagramm aufzutragen.

Nachdem der Gaspreis über Jahre nahezu stabil auf niedrigem Niveau lag, ist ab 2000 ein starker Anstieg zu erkennen. Im Schnitt waren das in den Jahren 2000 bis Ende 2005 etwa 8% Steigerung pro Jahr oder 45% Erhöhung in 6 Jahren. Wenn man das jetzt so fortführte und nur 5% Steigerung pro Jahr ansetzte, dann läge der Gaspreis 2030 bei 1,43 Euro. Allerdings passt der Ansatz schon nicht, denn der Gaspreis ist 2006 nicht um 5% sondern um etwa 16% gestiegen. Das hochgerechnet würde zu einem Gaspreis von mehr als 15 Euro pro Kubikmeter für das Jahr 2030 führen, was kaum noch bezahlbar wäre.

Hinzu kamen noch Berichte über Öl- und Gasvorräte und deren Reichweite aus damaliger (Frühjahr 2006) Sicht. Demnach sollte die Spitze der Ölförderung im Jahre 2009 erreicht sein und dann kontinuierlich zurück gehen. Wenn man bedenkt, dass aufstrebende Länder wie China und Indien derzeit einen gewaltigen Energiehunger entwickeln, können  meiner Ansicht nach bei sinkendem Angebot und steigender Nachfrage die Öl- und Gaspreise zwangsläufig nur steigen.

Dadurch aufgescheucht erinnerte ich mich daran, dass die Option für die Kollektoranlage noch bestand und daher in die Tat umgesetzt werden sollte. 

Als Ziel hatte ich mir gesetzt, den Gasverbrauch um wenigstens 50% zu reduzieren.

Wir hatten in den Jahren 1990 bis 2006 pro Jahr durchschnittlich 2735 m3 Gas verbraucht. Bei 150 m2 Wohnfläche ergibt das einen Wert von 18,2 m3 Gas je m2 Wohnfläche im Jahr. Daraus sollen jetzt etwa 1350 m3 pro Jahr oder 9 m3 Gas je m2 Wohnfläche werden. Das entspräche zwar noch nicht dem Wert eines Niedrigenergiehauses (der liegt derzeit bei 7 und weniger), aber es ist durchaus schon als gut zu bezeichnen.

Nach einigen Recherchen im Internet war schnell klar, dass, zumindest für unser Haus, eine Kollektoranlage alleine das nicht leisten konnte. Also musste auch die Heizung und die Warmwasserbereitung auf den Prüfstand.

Schon immer war mir die ewig brennende Zündflamme bei beiden Geräten ein Dorn im Auge, aber es hieß immer, der Verbrauch an Gas für die Zündflamme sei nicht der Rede wert. Also habe ich mich mit der Stoppuhr vor die Gasuhr gesetzt und im Leerlauf (nur die Zündflamme(n)) gemessen, auf den Monat hochgerechnet und gestaunt:

  Gasverbrauch für Zündflamme im Monat
Gasbrenner für Heizung ca. 20 m3
180-l-Boiler für Warmwasser ca. 15 m3

Das sind 35 m3 Gas im Monat für fast nichts. Mein Installateur wollte es nicht glauben, und ich habe die Messung wiederholt: Gleiches Ergebnis!

Das hat mich derart geärgert, dass die Entscheidung, beides rauszuschmeißen, relativ leicht zu treffen war.

Die Lösung war also:

  • Alte Heizungs- und Warmwasseranlage raus
  • Installation eines Brennwertkessels in Kombination ...
  • mit einer Kollektoranlage zur Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung

Die Fragen:

  • Welches System nimmt man? Was passt zu uns?
  • Ist das finanzierbar?
  • Gibt es Zuschüsse und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
  • und last, but not least: Wie kriege ich meine Frau rum?